Der Abstieg des HSV

Ich weiß der Titel ist provokativ und ich möchte den HSV damit nicht in die 2. Liga wünschen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich hoffe, dass die Hamburger es auch in diesem Jahr noch irgendwie schaffen. Man kann mittlerweile aber nicht mehr leugnen, dass der HSV in den letzten Jahren stetig an Qualität einbüßt. „Verdient“ hätten die Hamburger den Abstieg so langsam. Aber ich bin einfach ein Fan der sogenannten Traditionsvereine und darüber hinaus der Meinung, dass die Großstadtklubs für die Bundesliga immens wichtig sind. Der HSV ist eigentlich egal wie schlecht er auch spielt immer irgendwie ein Thema.

Dabei bringt der Hamburger Sportverein die besten Voraussetzungen mit, um einer der erfolgreichsten Klubs des Landes zu sein. Der HSV hat treue Fans und ein mehr als gut besuchtes Stadion. Der Verein hat Geschichte und die Stadt Hamburg bietet als Medien und Wirtschaftsstandort auch finanziell beste Möglichkeiten. Das einzige was fehlt ist eine funktionierende Mannschaft und ein eingespieltes Team im Hintergrund.

Doch genau hieran fehlt es beim HSV. Der Verein hat in den letzten beiden Spielzeiten 6 Trainer verschlissen. Bei einer solchen Anzahl versteht es sich von selbst, dass keiner dieser Trainer das Wunder vollbringen konnte die Mannschaft in eine gewünschte Richtung zu entwickeln und das Team mit einer Identität auszustatten.

Doch es läuft nicht nur sportlich einiges in die falsche Richtung. Mittlerweile klaffen Realität und Anspruch des Bundesliga Dinos auch wirtschaftlich immer weiter auseinander, was sich auch wirtschaftlich bemerkbar macht. Den Verein drücken enorme Schulden, welche sich Ende 2014 laut dem Tagesspiegel auf 100 Mio. € beliefen.

Desweiteren hat sich in dieser Saison sowohl der Gesamtmarktwert der Mannschaft als auch der Durchschnittsmarkwert der Spieler deutlich verringert. In der letzten Saison belief sich der Gesamtmarkwert noch auf 111,70 Mio. €, was einen Durchschnittsmarkwert von 3,38 Mio. € ergab. Seit der Saison 2008/2009 lag der Gesamtmarkwert der Mannschaft bis zu dieser Saison immer über 100 Mio. €.

In dieser Saison liegt der Marktwert der gesamten Mannschaft bei 71,10 Mio. € (Durchschnittsmarkwert 2,29 Mio. €) und das obwohl vor der Saison kräftig in die Mannschaft investiert wurde. Insgesamt hat der HSV ca. 32 Mio. € für neue Spieler ausgegeben und durch den Verkauf von Hakan Calhanoglu „nur“ ca. 23 Mio. € eingenommen. Der Marktwert der Mannschaft hat sich damit trotz einer Investierung von 10 Mio. € innerhalb eines Jahres um etwa 40 Millionen Euro reduziert. Befand man sich in den letzten Jahren zumindest vom Marktwert im oberen Drittel der Liga, befindet sich der HSV seit dieser Saison nicht nur tabellarisch sondern auch bezüglich des Gesamtwertes der Mannschaft im freien Fall ins untere Tabellendrittel.

Hierbei spielt auch eine Rolle, dass in den letzten Jahren keiner der Neuzugänge (Holtby, Lasogga, Müller, Ostrzolek, Behrami, Stieber) eingeschlagen hat. Das Team wirkt über weite Strecken unsicher und unkreativ. Die Markwerte vieler Spieler sinken, insbesondere die Marktwerte von Spielern wie Adler, Van der Vaart oder Valon Behrami sind regelrecht eingebrochen. Der Grund dafür liegt insbesondere bei Adler und Van der Vaart auch in ungenügender Leistung. Dabei sollten gerade diese Spieler die Mannschaft in einer solch schwierigen Phase führen.

Und auch sportlich ist, egal unter welchem Trainer, keine wirkliche Steigerung zu erkennen. In dieser Saison wurden bisher nur magere 16 Tore erzielt, was mit Abstand den schlechtesten Wert der Liga bedeutet. Dabei wurden vor der Saison mit dem fest verpflichteten Stürmer Lasogga und den ebenfalls als offensiv stark geltenden Kräften Müller und Holtby vielversprechende Spieler verpflichtet.

Besonders prekär ist zudem, dass sich die Medien in Sachen Abstiegskampf im Saisonverlauf bisher überwiegend auf Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart konzentriert haben. Der öffentliche Druck auf die Mannschaft des HSV wirkte für mich daher insbesondere im Vergleich zur letzten Saison relativ gering. Dies dürfte sich nach der Entlassung von Joe Zinnbauer, der Niederlage gegen Leverkusen und dem Abrutschen auf den Relegationsplatz in den nächsten Wochen ändern. Desweiteren geht es in den folgenden Partien gegen Wolfsburg, Werder Bremen und Augsburg und damit ausschließlich gegen Vereine, die in der Rückrunde im Gegensatz zu den Hamburgern eine äußerst positive Form vorweisen können.

Am 32. und 33. Spieltag stehen vermutlich die Endspiele im Kampf um den Klasssenerhalt gegen den SC Freiburg und den VfB Stuttgart an. Für den HSV wird es bis dahin schon schwer genug werden, sich eine aussichtsreiche Positionierung zu erarbeiten. Wirtschaftlich scheint der Verein allerdings bereits in dieser Spielzeit deutlich an Boden verloren zu haben.

Quellen:

http://www.tagesspiegel.de/sport/der-schuldenberg-des-hamburger-sv-ein-boeser-batzen/11150584.html
http://www.transfermarkt.de/hamburger-sv/marktwertanalyse/verein/41
Titelbild: https://www.flickr.com/photos/patkiss/4544769813 (Patrick Kiss)

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