Ode an den DJ

Lange haben wir uns nicht gesehen. Blass bist du geworden! Und abgenommen hast du auch!

Ich habe dich schon öfter gesehen, mal hier mal dort. Es ist doch immer wieder das Gleiche wenn wir uns sehen. Du stehst oben und überschaust uns alle, du heizt uns ein, du gibst uns die Beats und die Bässe, denen wir in unserem Alltagstrott ein Funken von Glück und Hoffnung verleihen. Du lässt uns wieder leben, aus unserem grauen, tristen, regnerischem Alltag ausbrechen. Du gibst uns Farbe am Wochenende, die wir zu uns nehmen, die wir annehmen, die wir versprühen und verspüren. Du stehst dort oben und blickst auf uns runter, wir sind eine Masse, wir stampfen auf den Boden – wir haben so lange nicht mehr auf den Boden gestampft. Wir vergessen all dies um uns herum, es gibt nur noch eines – die Musik – und du bist der Dompteur der uns bewegt! Wir heben die Hände, wir pfeifen dir zu, wir bejubeln dich, noch ein Schluck, noch ein Teil, noch eine Line, stampfen! Du bewegst uns!

Du stehst dort oben, drehst die Regler, jonglierst mit den Platten! Doch, du kommst kaum dazu zu mixen, deine Leidenschaft, dein Leben! Es vergeht in dem Rausch in dem das Gefühl gekommen ist, der Rausch ist diese kleine Lampe auf deinem Pult, welches dir anzeigt wie schnelllebig wir geworden sind. Wir wollen alle ein Stück von dir, wir nehmen deine Energie auf, wir gratulieren dir. Doch, genau dies bringt dich raus. Das kleine Stück Ruhe, das du brauchst um deinen nächsten Drop vorzubereiten – kommt, doch bis dahin leuchtet die Lampe immer noch so schnell auf und erlischt genau so schnell wieder. Endlich, du hast den Drop vorbereitet, er kommt, Freude bewegt sich in uns, unsere Farben leuchten heller als nie zuvor. Doch du stehst nur da wie eine Maschine, wie die Lampe die all dies zu schnell vergehen lässt. Der Gedanke kommt, dass dies all nur temporär ist. Denn auch schon morgen ist unser Leben wieder grau und deines erst Recht. Der Dompteur muss sich geschlagen geben, denn deine Woche besteht nur aus warten, auf den nächsten Zirkus, auf die nächste Manege. Denn dein Alltag ist trist, du wartest und du wartest auf deine nächste Chance zu leben. Du weißt, du bist eigentlich nur ein armer Kerl, der all das was er ist – von dieser kleinen Lampe abhängig gemacht hat. Du funktionierst nur noch. Selbst die Narcotics sind nur noch ein Teil des Systems – dich zu fühlen, uns zu fühlen, eine Masse. Doch, sei ehrlich – wann hast du dich denn das letzte mal selbst gefühlt?

Deine Faszination für die Musik, deine Leidenschaft, dein Leben – es ist weg. Das Set ist vorbei. Die Lampe erlischt.

KC

Bild: 7×13.de

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